25. Januar 2021
Was ich liebe
Ich liebe die Berührung, liebe eine warme Hand auf meiner Haut. Ich liebe Küsse. Eine Umarmung, bei der man den Atmen im Nacken spürt. Ich liebe es zu fühlen. Es zeigt mir, dass ich lebendig bin. Ich liebe den Herzschlag, besonders dann, wenn die Herzen im Einklang schlagen. Ich liebe den tiefen Blick in die Augen, das im Miteinander verschwimmen. Ich liebe das Gespräch, einen Austausch auf Augenhöhe, einen mit Gehalt und Sinn, mit Tiefgang und Leichtigkeit. Ich liebe das Ernste ebenso...
23. Dezember 2020
Mitgefühl in dunklen Tagen
Kann Mitmenschlichkeit ein Vergehen sein? Gestern traf ich eine alte Dame im Park. Wir laufen uns öfter über den Weg, wechseln an paar Worte, ohne uns jedoch näher zu kennen. Schon als sie mich von weitem sah, winkte sie bereits. In ihrer Geste lag etwas Dringliches. Wir grüßten uns, doch noch ehe wir die üblichen Höflichkeitsfloskeln austauschen konnten, sagte sie: „In diesem Jahr werde ich Weihnachten ganz alleine verbringen!“ „Oh“, sagte ich und fühlte echtes Bedauern...
10. Dezember 2020
Wer´s glaubt … Ich glaubte die Dinge zu verstehen. Ich glaubte die Wahrheit zu kennen. Ich glaubte mich aufgehoben zwischen den Menschen. Ich glaubte mich beschützt in einem System. Ich glaubte an das Gute. Ich glaubte an den gesunden Menschenverstand. Ich glaubte an Mitgefühl und Toleranz. Ich glaube an das Miteinander. Ich glaubte an die Vielfalt. Ich glaubte an die Hoffnung. Aber glauben heißt nicht wissen. Jetzt weiß ich es. Einheitsspiel: Ein Gedicht zur Lage der Nation
04. Dezember 2020
Einheitsspiel Die Luft ist dünn. Sie wird uns genommen. Die Freiheit fliegt fort. Ein neues Netz wird gesponnen. Das Blau vom Himmel verbogen. Der gesunde Menschenverstand um seine Wahrnehmung betrogen. Schlagworte haben die Macht. Wer etwas anderes sagt, steht unter Verdacht. Das Bunte wird des Platzes verwiesen. Zur Sicherheit aufgerufen wird die Vielfalt erliegen. Eine glitzernde Nadel als Heilsbringer verkündet. Verheißungsvoll hat sie sich mit dem Profit verbündet. Gesetze ausgehebelt....
16. November 2020
„Ein Farbentraum aus Grün und Blau, ein Ausblick meiner Seele zu Papier gebracht, stehe ich vor meinem Vater und möchte ihm stolz mein Werk präsentieren. Seine Augen schwerfällig vom Bildschirm lösend schaut er in meine Richtung. Weder treffen sich unsere Blicke noch würdigt er mein Bild eines Blickes. Nebelgraues Desinteresse verhüllt seine Pupillen. Ohne sich mir wirklich zuzuwenden spricht er: „Fein Lena, das hast du gut gemacht!“. Erwartungsvoll schaue ich ihn an, möchte...
23. September 2020
Der Wandel fegt den Boden beiseite. Sicherheit rutscht durch kleinste Ritzen. Veränderungen sind wie fließende Farben. Bedrohlich verschwimmt das Jetzt. Ein Boot schwankt in unruhigen See. Im Herzen keinen Anker. Im schlammigen Grund versinkt die Hoffnung. Kein Vertrauen wurzelt in ihm. Die Angst mag die Bewegung. Still harrt sie aus. Lauert. Wie ein hungriger Tiger springt sie aus der Ecke. Gierig greift sie zu. Ihre kalten Hände umfassen das Herz. Ein Kokon aus Eis begrenzt die Freiheit....
22. September 2020
Kürzlich stellte mir jemand die Frage: „Bist ist du glücklich?“ Ich stockte und war kurz irritiert. Eine solch gewichtige Frage in dieser besonderen Zeit, dachte ich, wie könnte da die passende Antwort lauten? Ich frage mich, ob ich einfach Ja sagen könnte, zum einen, um nicht tiefer ins Thema einsteigen zu müssen und zum anderen, ob es nicht sogar angemessener sei, eine zurückhaltende Antwort zu geben. Sollte ich wirklich Ja sagen, bei all dem, was sich in der äußeren wie auch in...
21. Juni 2020
Nach den Wochen der Anspannung und Anstrengung, sehnen wir uns nach Normalität, nach frei zu gestaltender Zeit, nach Entspannung und Zerrstreuung. Im Schreiben finde ich Entspannung, Zerstreuung und auch Sinn. Schreiben bedeutet für mich Frei-zeit und Frei-heit zugleich. In dieser frei gestalteten Zeit begegne ich mir und meinen Gedanken und frage mich, was ist eigentlich „Frei-Zeit“? Ist Zeit frei, wenn man nichts tut? Oder ist sie frei, wenn man sie frei gestaltet? Kann Zeit frei sein,...
07. Juni 2020
Ein Café ist mehr als ein Wohlfühlort für mich, es ist eine Art Zuhause. Es hat etwas Beruhigendes, wenn die Kaffeemühle unaufhörlich im Hintergrund surrt. Der Alltag und alles, was getan werden muss, rücken in weite Ferne. Der Fokus richtet sich neu aus. Der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee ist anheimelnd, schafft ein vertrauensvolles Ankommen und Bleiben. Glücksmomente. Erinnerungen an die Kindheit. Ein kuscheliges Bett. Den Teddy im Arm. Licht fällt durch den schmalen Spalt der...
21. Mai 2020
Worte können stark sein, sie können verletzen, beschimpfen, bevormunden und verängstigen. Sie können sich machtvoll vor uns aufreihen, auftürmen und bedrohlich daherkommen. Je häufiger sie wiederholt werden, umso mehr prägen sie sich uns ein. Sie bauschen sich auf und gewinnen mit jeder Wiederholung an Kraft und Relevanz. Je wirkungsvoller die in Worte gefassten Emotionen mit Bildern verknüpft werden, desto stärker berühren sie den Wortempfänger. Je emotionaler die Sprache ist, desto...

Mehr anzeigen