21. Juni 2020
Nach den Wochen der Anspannung und Anstrengung, sehnen wir uns nach Normalität, nach frei zu gestaltender Zeit, nach Entspannung und Zerrstreuung. Im Schreiben finde ich Entspannung, Zerstreuung und auch Sinn. Schreiben bedeutet für mich Frei-zeit und Frei-heit zugleich. In dieser frei gestalteten Zeit begegne ich mir und meinen Gedanken und frage mich, was ist eigentlich „Frei-Zeit“? Ist Zeit frei, wenn man nichts tut? Oder ist sie frei, wenn man sie frei gestaltet? Kann Zeit frei sein,...
07. Juni 2020
Ein Café ist mehr als ein Wohlfühlort für mich, es ist eine Art Zuhause. Es hat etwas Beruhigendes, wenn die Kaffeemühle unaufhörlich im Hintergrund surrt. Der Alltag und alles, was getan werden muss, rücken in weite Ferne. Der Fokus richtet sich neu aus. Der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee ist anheimelnd, schafft ein vertrauensvolles Ankommen und Bleiben. Glücksmomente. Erinnerungen an die Kindheit. Ein kuscheliges Bett. Den Teddy im Arm. Licht fällt durch den schmalen Spalt der...
21. Mai 2020
Worte können stark sein, sie können verletzen, beschimpfen, bevormunden und verängstigen. Sie können sich machtvoll vor uns aufreihen, auftürmen und bedrohlich daherkommen. Je häufiger sie wiederholt werden, umso mehr prägen sie sich uns ein. Sie bauschen sich auf und gewinnen mit jeder Wiederholung an Kraft und Relevanz. Je wirkungsvoller die in Worte gefassten Emotionen mit Bildern verknüpft werden, desto stärker berühren sie den Wortempfänger. Je emotionaler die Sprache ist, desto...
11. Mai 2020
Wo bist du? Wo bist du, wenn du dich hinter deiner Maske versteckt? Wo bist du, wenn du deine Augen vor der Wirklichkeit bedeckst? Wo bist du, wenn du deine eigene Wahrheit nicht kennst? Wo bist du, wenn du dich in deinen Ängsten verrennst? Wo bist du, wenn du die Worte der anderen sprichst? Wo bist du, wenn um dich herum alles zerbricht? Wo bist du, wenn du nicht sehen willst was geschieht? Wo bist du, wenn die Freude der Angst erliegt? Wo bist du, wenn du dich hinter deiner Fassade...
29. April 2020
Mehr denn je brennt das Bedürfnis zu schreiben in mir. Ich fühle mich durch diese besondere Zeit angefasst, ja sogar herausgefordert Stellung zu nehmen. Es sind Zeiten mit widersprüchlichen und verwirrenden Informationen, mit Angst, Not und Sorge und auch mit zunehmender Unruhe und Ungeduld. Als Herzensmensch fühle ich mehr, als ich weiß. Mein Wissen reicht bei Weitem nicht aus, um die Komplexität der Lage zu erfassen. Sie ist größer als alles, dass ich bislang erleben durfte. Das...
24. April 2020
Auf Abstand Spärlich fällt das Licht durch das Rollo. Das Glas halb leer. Im Rotwein ertrinken die Sorgen. Leises Wimmern kriecht durch den Türspalt in das leere Treppenhaus. Hart und kalt liegen die Fliesen am Boden. Die Sonne strahlt und wärmt doch nicht. Berührung verboten. Nähe zerbricht. Eine Bühne verwaist. Niemand, der singt. Unter Strafe gestellt, was fröhlich stimmt. Das Kind an der Hand, darf nicht alleine gehen. Nähe ist gefährlich. Wir müssen gegeneinanderstehen. Angst...
23. April 2020
In all der Schwere das Leichte Ich fühle zu viel und weiß zu wenig, versuche nicht zu entsprechen und entspreche doch. Bin ohne Wert, doch nicht wertlos, werte ich nicht. Halte das Leichte in Händen und bin doch keine Feder im Wind. Die Schwere ist, doch ich teile sie nicht, gehe nicht mit ihr, lasse mich nicht in ihre dunklen Verliese führen. Ich trage das Helle, wie der Himmel die Wolken, die Nacht den Tag, der Tod das Leben. Bin das Einfache, das Unverstellte, gebe es aus, verschwende...
21. April 2020
Sonnenlicht zaubert ein Schattenspiel durch knospendes Grün. Wie ein Neubeginn besticht der hellgelbe Tag mit seiner Frische. Füße stehen in zähem Teer. Langsam, als hätte er 1000 Beine, kriecht er die Waden hoch, bemächtigt sich der Köpfe, verklebt das Denken. Ein Lied in allen Ohren. Die Hörigen nicken im Takt. Das Ziel definiert, alle auf Spur gebracht. Einer längst vergessenen Tugend wird das Zepter gereicht. Der Arm gestreckt, weist nicht zum Gruß, auf den, der das Miteinander...
24. März 2020
Unsichtbar wabert ein Gefühl der Bedrohung durch die Massen. Besorgnis steht in den Augen vieler, die ihren Einkaufswagen randvoll bepackt durch die Gänge des Supermarktes schieben. Gedanken kreisen unaufhörlich. Vollgestopft mit Fakten und Halbwissen, werden sie zu einer Spirale, die manch sensiblen Geist in den Abgrund reißen. Gesprächsthemen ranken sich um das eine. Stets gegenwärtig ist sie, die nicht zu greifende Macht. Unheimlich, wie in einem Science Fiction Film, wird sie nebulös...
19. Februar 2020
Es gibt ein Bleiben im Gehen, ein Gewinnen im Verlieren und in jedem Ende einen Anfang - und so endet alles irgendwann und beginnt irgendwann, vielleicht auf eine vertraute, vielleicht aber auch ganz andere Weise. Lange bevor ich zu schreiben begann, war der Wunsch in mir gereift. Eines Tages wurde aus der Vorstellung Realität. Es war ein Drang, den ich spürte, ein Sog, der mich an den Schreibtisch führte. Da saß ich nun und schaute auf das Blatt, das vor mir lag. Weiß war es und leer....

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